Zwei Tage beim nerdigsten Klassentreffen Europas – The Next Web Europe

Zwei Tage lang trafen sich Digital-Evangelisten, Startups, Investoren und Hacker in Amsterdam zur Jubiläums-Ausgabe der The Next Web Conference. #RED war mittendrin, und hat sich mit mehr oder weniger etablierten Companies und Startups unterhalten und Inspiration für MEC Kunden mitgenommen. Was können Konzerne von Startups lernen?

Gefühlt waren die über 3.500 Teilnehmer des Kongresses getrieben von dem Gedanken die Welt verändern zu wollen. Plattformen, Gadgets und Lösungen für „Probleme“ die wir als solche noch nicht identifiziert haben schießen hier wie Pilze aus dem Boden und buhlen bei Investoren um deren Gunst… und um Geld, versteht sich.
Auch große Unternehmen sonnen sich im Glanz der Tech-Branche, loben Preise für Hackathons aus oder sponsern das „Hacker Fuel“. Zu Deutsch: Kaffeebar (Danke Google for Entrepreneurs für meinen erhöhten Koffeinspiegel während der zwei Tage!).

Während es unter dem Mantra “Power to the People“ im vergangenen Jahr größtenteils um die Aufbruchsstimmung in Unternehmen ging (Technologischer Wandel der Konsumenten, Plattform-übergreifende Kommunikation von Marken, Digital Disruption von Märkten und die Folgen für die Unternehmen in den Märkten), stand dieses Jahr das Digitale Produkt im Vordergrund.

IS IT A PRODUCT OR A FEATURE?

Wir haben unglaubliche viele interessante Startups gesprochen, die Custom Solutions für Probleme entwickelt haben, mit denen wir uns (ehrlicherweise) vorher noch nicht konfrontiert sahen. Ein paar spannende Cases wollen wir euch vorstellen:

  • Synkick – Walk into a bar and start influencing the musicWir kennen alle das „Problem“ – man verbringt einen netten Abend mit Freunden in einer Bar, aber die Musik ist Mist. Synkick bietet Bars, Restaurants oder anderen Locations die Möglichkeit ihre Musik den Gästen anzupassen. Gäste nutzen die App welche sich Informationen aus gängigen Social Music Apps zieht (Spotify, Facebook etc,) zieht. Ein Beacon erkennt die Nutzer in der Location und passt die Musik an die Anwesenden Gäste an. Als Player fungiert ein Webinterface, dass sich Tracks aus den Netz zieht. Vergütet wird Synkick über eine monatliche Fee für die Barkeeper.

Meinung: Interessante und gute Idee. Sicher „Consumer-focussed“, aber sollte das nicht eher ein Feature für Spotify sein?

  • Musaeai – Empowering musicians and songwritersWenn eine Idee kommt, muss man sie festhalten. Das gilt für kreative Schreibtischtäter wie für Künstler und Musiker. Letztere haben besonders Probleme Audiodateien aufzunehmen, mit ihrer Crew zu teilen und gemeinsam zu bearbeiten. Museai bietet eine Plattform für kollaboratives Arbeiten an Musikfiles. Beats, Lyrics und Ideen können mit einem Klick aufgenommen werden und lassen sich einfach teilen und bearbeiten – ohne WhatsApp.

Meinung: Starke Idee die aus dem Need einer (spitzen) Zielgruppe heraus entwickelt wurde, um ihnen das Leben zu erleichtern.

  • Storygami – Increase Video engagementDer Vorteil an digitalem Content ist, dass ich mit einem Klick idealerweise mehr Input bekomme. Verlinkungen verhelfen uns zu mehr Informationstiefe. Bewegtbild, auch online, wird klassisch linear konsumiert. Wenn ich nicht Owner des Contents bei YouTube bin, sprich Admin des Channels, habe ich keine Möglichkeit Inhalten mehr Tiefe zu geben, in Form von Infocards zum Beispiel. Storygami bietet die Möglichkeit Videos zu bearbeiten (bspw. mit Links, Texten, Social Media Feeds o. ä.).

Meinung: Für Blogger und Content-Aggregatoren eine spannende Möglichkeit Inhalte zu kommentieren und mit weiteren Inhalten anzureichern.

Meinung: Ein Must Have für jede Brand – nicht in der Ausprägung , aber um tatsächlich Kontakt zum Weltgeschehen zu haben und schnell auf aktuelle Themen reagieren zu können. Es gibt Alternativen, aber das war sehr imposant.

 

WHY DOES IT MATTER?

Klar, die Frage ist legitim. Was haben Startups die Musik in Bars auf Konsumenten ausrichten oder Plattformen für die Vermittlung von Campgrounds mit der Art und Weise zu tun wie Konzerne funktionieren? Auf den ersten Blick nichts, klar ist aber, beide buhlen um die Gunst der Konsumenten. Auch wenn das „Digitale Produkt “ eines FMCG- oder Telko-Giganten ein komplett anderes ist, so sollten alle dieselben Regeln beherzigen. Was können Konzerne von Startups lernen?

#1 BE CONSUMER CENTRIC

Es geht nicht länger darum Produkte im Stillen zu Entwickeln. Alle Produkte, Plattformen oder Lösungen basieren auf einem Consumer-need. Komme aus einem Problem, nicht aus einer Idee.

Musiker, denen das Teilen mit gängigen Voice Recordern der Smartphones zu kompliziert ist, werden zu Entwicklern und entwerfen ein auf ihre Needs angepasstes Produkt. Nur digitale Produkte die einen Zweck erfüllen, ein Problem für den User lösen, einen wahrgenommenen Mehrwert bieten, haben langfristig Erfolgsaussichten. Auch wenn Museai einen nischigen Markt bedient – hier rockt das Produkt.

Put your customer first. Invent. And be patient. 

#2 DELIVER AN EASY ONBOARDING

Form follows function. Macht Sinn oder? Schöne Apps, die niemand bedienen kann helfen auch niemandem weiter. Stimmt die Funktion und bietet entsprechenden Mehrwert, ist mir das Design fast egal. Useability counts.

Wir sind alle schon bei Facebook, aber vielleicht erinnern wir uns noch an den Registrierungsprozess. Aus ästhetischer Sicht ist dieser definitiv nicht schön, aber er ist hoch funktional. Der User wird step-by-step geführt. Er füllt seine Daten aus, findet Freunde und nimmt Interessen- und Privatsphäre-Einstellungen vor. Ohne diese Schritte könnte der User die Plattform kaum nutzen und würde nach wenigen Sekunden mangels Interesse die Plattform verlassen. Der klassische Designer hat heute mehr zu tun als nur Pixelschubsen. Er formt die gesamte Customer Journey. Samuel Hulick, einer der ersten Speaker des TNW 2015 präsentierte klasse Cases, reinschauen lohnt sich!

Deliver experience rather than product

 

#3 DEVELOP A FEEDBACK-ATTITUDE

Viele der Startups mit denen wir sprechen, feilen seit Jahren an ihrem Produkt, testen in kleinen Feldversuchen, wiederholen es, passen an. Solange bis das Produkt funktioniert. Dieser Entwicklungsprozess passiert jedoch nicht hinter verschlossenen Türen, sondern im Dialog mit vorhandenen Usern. Gemeinsam und am offenen Herzen wird Feedback in Echtzeit integriert.

Airbnb wird als eines der Vorzeige-Startups aus dem Silicon Valley angeführt. 2009, stagnierte die Entwicklung. Beide Seiten des Marktplatzes – die Zahl von Mieter und die Vermieter – stieg nicht weiter an. Aber woran lag es? Die beiden Gründer zogen mehre Monate von Vermieter zu Vermieter, wohnten in den von ihnen annoncierten Unterkünften und holten sich in Einzelgesprächen Feedback um ihre Plattform zu verbessern. Auf Basis dessen wurden Dienstleistungen wie Fotografen für Vermieter eingeschaltet um die Anzeigenqualität zu verbessern, Bilder wurden „Airbnb verifiziert“ um Vertrauen bei potenziellen Mietern aufzubauen.

Das Resultat: Ende 2014 operiert Airbnb in 35 Ländern, bediente mehr als 11 Mio. Gäste, und hat einen geschätzten Wert von 10 Mrd. USD

Put your Product in the user´s hands before it´s perfect. See what happends. Get Feedback. Iterate.

 

Spannend. Das Digitale Produkt verbessern, egal ob Website, App,oder Service. Die Infrastruktur für den zeitgemäßen Dialog mit  der Zielgruppe optimieren. Wir sind dabei!

Im Original erschienen auf www.redinaction.de